Baisse

An der Börse wechseln sich gute und schlechte Zeiten ab – wie Ebbe und Flut am Meer. Die schlechten Phasen nennt man in der Finanzwelt „Baisse“ (ausgesprochen: „Bess“). Der Begriff stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „Senkung“ oder „Niedergang“. Gemeint ist damit ein länger anhaltender Kursrückgang an den Aktienmärkten. Während Gelegenheitsinvestoren bei fallenden Kursen oft in Panik geraten, sehen erfahrene Anleger in jeder Baisse auch neue Chancen.

Woran erkennt man eine echte Baisse?

Nicht jeder Kursrückgang ist gleich eine Baisse. Als Faustregel gilt: Von einer Baisse spricht man erst, wenn wichtige Aktienindizes wie der DAX oder der Dow Jones mindestens 20 Prozent unter ihrem letzten Höchststand liegen. Kleinere Rückgänge zwischen 10 und 20 Prozent werden dagegen als „Korrektur“ bezeichnet.

Eine typische Baisse dauert mehrere Monate, manchmal sogar Jahre. In dieser Zeit dominiert an den Börsen die Skepsis – Anleger verkaufen mehr Aktien als sie kaufen, die Kurse fallen immer weiter. Während einer echten Baisse sinken nicht nur einzelne Aktien, sondern der gesamte Markt gerät unter Druck. Auch gute Unternehmen verlieren an Wert, oft sogar stärker als der Durchschnitt.

Historische Baissen und ihre Auslöser

Die Geschichte der Börsen ist geprägt von wiederkehrenden Baissen. Einige der bekanntesten waren:

  • Die Weltwirtschaftskrise 1929-1932: Der Dow Jones verlor fast 90 Prozent seines Wertes
  • Der Ölpreisschock 1973-1974: Verluste von über 45 Prozent
  • Die Dotcom-Blase 2000-2003: Technologieaktien brachen um mehr als 70 Prozent ein
  • Die Finanzkrise 2007-2009: Weltweite Kursverluste von durchschnittlich 50 Prozent
  • Der Corona-Crash 2020: Blitzartige Verluste von über 30 Prozent in nur vier Wochen

Was diese Abstürze ausgelöst hat? Die Gründe waren vielfältig: Übertriebene Spekulationen, wirtschaftliche Schocks, geplatzte Kreditblasen oder unerwartete Ereignisse wie eine Pandemie. Oft verstärken sich verschiedene Faktoren gegenseitig. Dazu kommt die Psychologie: Wenn viele Anleger gleichzeitig verkaufen, beschleunigt sich der Absturz – ein Teufelskreis entsteht.

Überlebensstrategien für Anleger

Wie sollte man als Anleger auf eine Baisse reagieren? Die alte Börsenweisheit „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ klingt einfach, erfordert in der Praxis aber starke Nerven. Hier einige bewährte Strategien:

  • Ruhe bewahren: Panische Verkäufe sind meist der schlechteste Ratgeber. Wer langfristig plant, kann Kursschwankungen aussitzen.
  • Nachkaufen: Fallende Kurse bieten Chancen, gute Aktien günstiger zu erwerben. Viele erfolgreiche Anleger bauen ihre Positionen in Baissen gezielt aus.
  • Diversifizieren: Eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen dämpft die Verluste. Wenn Aktien fallen, steigen oft sichere Staatsanleihen.
  • Qualität bevorzugen: Unternehmen mit solider Bilanz, starker Marktposition und stabilen Cashflows erholen sich nach einer Baisse meist schneller.
  • Regelmäßig investieren: Wer monatlich einen festen Betrag anlegt (Sparplan), profitiert in Baissen vom Cost-Average-Effekt und kauft automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind.

Das Ende der Talfahrt erkennen

Die große Kunst besteht darin, den Boden einer Baisse zu erkennen. Leider gibt es dafür keine verlässliche Formel. Typische Anzeichen für eine Trendwende sind jedoch:

Extreme Pessimismus-Werte in Anlegerumfragen können ein konträres Signal sein – wenn alle pessimistisch sind, stehen die Chancen auf eine Erholung oft gut.

Die Nachrichtenlage bleibt zwar schlecht, aber die Kurse fallen nicht mehr weiter – ein Zeichen dafür, dass negative Erwartungen bereits eingepreist sind.

Notenbanken senken die Zinsen oder starten Anleihekaufprogramme, um die Wirtschaft zu stützen.

Die Handelsvolumen steigen deutlich an, was auf erhöhte Kaufaktivität hindeutet – oft ein Zeichen für die Bodenbildung.

Erfahrene Anleger wissen: Nach jeder Baisse kommt irgendwann wieder eine Hausse, also eine längere Phase steigender Kurse. Wer dies verinnerlicht hat, kann auch in schwierigen Börsenphasen gelassen bleiben und sogar von ihnen profitieren.